Sewbjective Subjects

textielmuseum opdracht

Kunstwerk realisiert im Auftrag vom Niederländischen Museum für Textilkunst in Tilburg, mit der ‚Brother‘ Stickmachine der Labor Werkstatt des Museums.

„Die niederländische Installationskünstlerin Li Koelan arbeitete in den letzten Jahren mit synthetischen Stoffen und Bilder der populären Kunst und Modefotografie.
Der Name „Sewbjective Subjects“ stellt eine Verbindung dieser Grundstoffe dar und
verweist auf den künstlerischen Prozeß, der unter anderem aus gewissermaßen kulturell indizierten, „objektiven“ Materialien Restbestände subjektiver Selbstbehauptung herausdestilliert.

Die Vorlagen für die aus vernähten Stoffen hergestellten Bildkörper waren Modefotografien und PinUps – Abbildungen von Frauenkörpern, posierend zur Darstellung eines Kleides, eines Images, eines medialisierten erotischen Moments.
Li Koelan klebt die Foto´s auf synthetische Textilien, knittrige, unter Umständen gebrauchte Futerstoffe, und zeichnet mit der Nähmaschine die Kontouren der Gestalt nach.

Auf diese Weise entsteht auf der Rückseite des Stoffes ein „Negativ“ der Fotografie – nicht das ursprüngliche, sondern ein weiteres Negativ, dessen ästhetische Substanz nicht mehr von den Ansprüchen und Normen der „guten Fotografie“ dominiert wird, sondern in einer ungewohnten, der Verwahrlosung entgegeneilenden Nacktheit zerfließt. Die daraus entstehenden vernähten Bilder sind teilweise nachbehandelt – mit Chlor zum Verblasen der Textilgrundfarben oder mit Farben.

Dieser Prozeß vollzieht sich in den Rhythmen der Nähmachine, die ebenso wie die Vorlagen und die Stoffe einem industriellen Kontext entliehen ist. Dieses aggressive Zeicheninstrument stellt mit den bunten Fäden, den zittrigen Verläufen der Kontouren und den fallengelassenen Fadenenden einen Nervosität her, welche die Vorlage nicht hat.
Sowohl die klassische Zeichnung, wie die Modefotografie sind auf der Suche nach der idealen Linie, der natürlichen oder artifiziellen Schönheit.
Die Nähmachine als Medium der Mode und ihrer Perfektion in der „schönen Frau“ dient als Zeicheninstrument der Zergliederung dieser Prinzipien öffentlicher Präsentation.

Gemäß Marchel Duchamps wird die ideale Linie von einem in einen Bach gehängten Faden gezeichnet, der mit den Bewegungen des Wassers organisch verschiebt. In Annäherung an dieses Ideal der Zeichnung verhalten sich auch die Silhouetten und geschmeidigen Frisuren von Models.
Li Koelan bezieht beiden Gleichnisse der Schönheit aufeinander, schaltet eine Maschine, einen einfachen technischen Herstellungsvorgang dazwischen und entdeckt dem Betrachter die Rohmasse dieser Idealisierungen – A collection of Li Koelan

(Text written by David Bernett, Historian of art, published in „das Magazin“ Berlin 2000)